DIE SEIDENWESTE - Serie 1/3
- 1. Okt. 2020
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Feb.

Ein Buch, drei Bildserien
und die Poesie eines verlorenen Ortes
Seit meiner Jugend begleitet mich Alain Fourniers Le Grand Meaulnes.
Ein Roman voller Geheimnis, flüchtiger Lichtmomente und leiser Verwunderung.
Dieses Buch hat mein bildnerisches Vorstellungsvermögen nachhaltig geprägt.
Zwischen Erinnerung und Traum haben meine Bilder ihren Ursprung gefunden.
Drei kleine Serien sind daraus entstanden — unterschiedliche Annäherungen an die Poesie dieses literarischen Universums, das mich bis heute begleitet.
Erste Serie: Die Seidenweste
Die schwebende, geheimnisvolle Atmosphäre des Romans — das verlassene Landgut, das Fest im Kerzenschein, das Rascheln der Kostüme der Jahrhundertwende in den verwunschenen Räumen des Schlosses — wurde für mich zu einer inneren Landschaft.
Eine Landschaft, die meine Bildwelt bis heute nährt.
Seit über dreißig Jahren begleitet mich ein Satz aus diesem Buch:
„Anstelle des großen blauen Mantels sah ich, dass er eine seltsame Seidenweste trug, die unten eine enge Reihe kleiner Perlmuttknöpfe schloss.“ Auszug aus „Le Grand Meaulnes“ von Alain Fournier
Unbewusst suche ich sie noch immer.
Diese Seidenweste aus feinem Satin-Crêpe, mit hellem Seidenfutter, vielleicht mit zarter Spitze oder feiner Popeline.
Und natürlich mit einer Reihe schimmernder Perlmuttknöpfe.
Auf der Suche nach Materialien, die die Stimmung des Romans heraufbeschwören, führte mich mein Weg zu den Antiquitätenhändlern von Pézenas — eine wahre Ali-Baba-Höhle.
Dort fand ich vergilbte Partituren für Yvonnes Klavier, topografische Karten der Suche nach dem verlorenen Landgut, alte Drucke und Spitze aus einer anderen Zeit. Die Muscheln für die Knöpfe sammelte ich später am Mittelmeerstrand.
Für diese Serie wählte ich jedes Material mit Bedacht:raue Jute für den Mantel,zarte Spitze für die Seidenweste, Muschelschalen vom Mittelmeer für die kleinen Knöpfe.
Ein stiller Dialog zwischen Raffinesse und Ursprünglichkeit.
So entstand die Serie „Die Seidenweste“ —eine Hommage an Erinnerung, Stimmungund an die leise Kraft der Vorstellung.
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