
Bildende Kunst • Kunstvermittlung
Sonderkunstserien
Sonderkunstserien umfasst Werkgruppen, die im Rahmen thematischer Projekte, Kooperationen oder auf Einladung entstehen.
Ausgangspunkt ist dabei stets ein konkreter Kontext – ein Ort, eine Idee, ein Austausch oder eine künstlerische Aufgabenstellung.
Jede Serie wird als experimenteller Raum verstanden, in dem sich das Medium — Malerei, Zeichnung, Illustration oder partizipative Formate — dem jeweiligen Projekt anpasst und zugleich der eigenen Bildsprache treu bleibt.
Der künstlerische Prozess nimmt dabei eine zentrale Rolle ein: Recherche, Dialog und Transformation prägen die Arbeiten.
Diese Serien markieren Schnittstellen zwischen persönlicher Praxis und institutionellem Rahmen, zwischen Intuition und Konzept sowie zwischen künstlerischer Freiheit und äußerem Impuls.
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Flüchtige Bewegung
Im Sommer kehrte ich an die École des Beaux-Arts in Paris zurück, um mich der Zeichnung als unmittelbarer Praxis zu widmen. Mit Graphit, Kohle und Kreide stand das Erfassen des Körpers in Bewegung im Mittelpunkt – flüchtige Gesten, Übergänge, Momente des Erscheinens und Verschwindens.
Die Arbeit mit Mimen, Tänzern und Schauspielern sowie der besondere Ort der Chapelle des Petits Augustins prägten diesen Zyklus nachhaltig. Zeichnung wurde hier zum Raum der Aufmerksamkeit, in dem Bewegung nicht festgehalten, sondern wahrgenommen wird.

Im Rahmen des Förderpreises für Bildende Kunst 2022 setzte ich mich mit dem Thema der Darstellung des nackten Körpers auseinander. Aus dieser Auseinandersetzung entstand das Gemälde KREBS – eine Entblößung in Empfindsamkeit.
Das Werk wurde von der Landesgalerie Burgenland angekauft und in die Sammlung aufgenommen – ein Schritt, der diese Arbeit in einen institutionellen Kontext überführt und ihre inhaltliche Fragestellung weiterträgt.
In der LANDESGALERIE
Burgenland
"KREBS – eine Entblößung in Empfindsamkeit"
Inspiration, Symbolik und Geschichte des Bildes
Der Besuch der Ausstellung Beauty von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh war ein Ausgangspunkt.
Besonders berührten mich Fotografien tätowierter Frauenbrüste, die Narben nach einer Brustkrebsoperation überlagerten.
Diese Bilder strahlten Widerstandskraft, Lebenskraft und eine versöhnte Weiblichkeit aus.
Schönheit wirkt.
Sie beeinflusst unsere Gefühle, unser inneres Gleichgewicht — und damit auch das Körperliche.
Das Lied Sous mon sein la grenade von Clara Luciani ließ mich nicht los.
Ich las den Titel anders.
Unter der Brust liegt eine Zeitbombe: Krebs.
Aber auch Entschlossenheit.
Hinter der beruhigenden Vorstellung der Madonna-Frau, der Rundung und Sanftheit der Brust als Sinnbild von Weiblichkeit und Fruchtbarkeit, verbirgt sich eine tiefe Leidenschaft für das Leben.
Eine stille, tragende Kraft.

Meine Interpretation der Aktdarstellung ist ein Nu à fleur de peau.
Ein Ausdruck, der Haut und Blume zugleich evoziert — wie die Berührung von Rosenblättern: sensibel, fühlbar, intim.
Er verweist auf das Venensystem unter der Haut, auf jene feine, verletzliche Zone zwischen Sichtbarkeit und Innerlichkeit.
Um dieses Spannungsfeld auszuloten, arbeitete ich mit Maskierung, Transparenzen und Überlagerungen.
SICHTBAR
Zur Anmutung tätowierter Haut griff ich auf Ornamente von William Morris zurück — in Anlehnung an die Arts-and-Crafts-Bewegung und ihre Idee einer durch Schönheit getragenen Lebenswelt.
VERBORGEN
Stärke des Charakters.
Die Kraft der Sanftheit — leise, beständig, nachhaltig.
Das Sternzeichen Krebs wird hier zum Symbol von Beharrlichkeit und innerer Standfestigkeit.

Als Zeichen weiblicher Kraft wählte ich Myrte, Rose und Granatapfel.
Die Myrte verweist auf ihre medizinische Wirkung und unterstützt das Motiv des „zart unter der Haut“: Grünes Myrtenöl stärkt die Venenwände.
Die Rose steht für Zärtlichkeit und Anmut.
Inspiriert von Les Roses d’Héliogabale von Lawrence Alma-Tadema wollte ich die Figur in Blüten hüllen — wie in einer schützenden Umarmung.
Der Granatapfel trägt seine doppelte Bedeutung in sich:
grenade — die Bombe.
grenade — die Frucht.
In Verbindung mit seiner Symbolik der Fruchtbarkeit steht er für Erneuerung und Heilung.
Wie der Frühling dem Winter folgt.
Oder — stiller — für den Sieg der Weiblichkeit über Widrigkeiten.

"KREBS - eine Entblößung in Empfindsamkeit"
Mischtechnik auf Leinwand, © 2022 Christin Breuil, 100 x 80 cm

Burgenland Kunstedition 2.0
Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2022 wird das Projekt fortgeführt.
Ich freue mich, Teil der zweiten Edition zu sein.
Gemeinsam mit acht weiteren Künstler*innen habe ich 15 Originalwerke im Format 20 × 20 cm realisiert.
Jedes Werk ist ein Unikat.
Die Auflage ist auf 15 Exemplare limitiert.
Für die zweite Edition entstand erneut ein gemeinsames Kunstwerk, das neun Künstler*innen vereint: Bettina Beranek, Christin Breuil, Judith Horvatits, Elke Mischling, Erwin Reisner, Gottfried Reszner, Hermann Serient, Franz Vana und Hans Wetzelsdorfer.
Die einzelnen Arbeiten im Format 20 × 20 cm fügen sich zu einem Gesamtwerk von 65 × 65 cm zusammen.
Die Edition ist auf 15 Exemplare limitiert.
Jedes Werk ist ein Unikat.
Ein Gemeinschaftswerk ist zum Preis von € 3.600,– (inkl. USt.) erhältlich.
Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.burgenland.at/themen/kultur/kunst-kultur-aktiv/burgenland-kunstedition-20/

Die Namen der Blumen
„Die Namen der Blumen“ entstand für die Ausstellung Frau im Bild, präsentiert von der Stadt Villach und dem Soroptimist-Club im Rahmen von Orange the World.
Mit floralen Metaphern ehre ich vergessene Frauen der Geschichte und gebe ihrem Wirken ein poetisches Licht.
Den Frauen ihren Platz im Licht zurückgeben
Die Serie ist eine Hommage an Frauen, deren Ruhm verblasste oder anderen zugeschrieben wurde.
Florale Metaphern zeigen ihre Kraft, ihre Präsenz und ihr lange übersehenes Wirken.
Vier Pflanzen erzählen davon auf einem lebendigen, symbolträchtigen Hintergrund:
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Lorbeer (Laurus nobilis) – verwelkt oder verborgen, für verblasste Triumphe
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Königin der Nacht (Epiphyllum oxypetalum) – nur im Dunkeln blühend, für unsichtbare Talente
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Mimose (Mimosa pudica) – bei der kleinsten Berührung zurückweichend, für erzwungene Zurückhaltung
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Mohnblume (Papaver rhoeas) – Bote der Erinnerung, Mahnung, ihr Vermächtnis zu bewahren
Zwischen den Linien erscheinen die Namen der Männer, denen ihr Ruhm zugeschrieben wurde.
Darüber, in Distanz zum Bildmotiv, sind die wahren Namen der vergessenen Schöpferinnen, Wissenschaftlerinnen und Denkerinnen ins Glas eingeschrieben.
So werfen die Frauen ihren Schatten auf die Männer darunter – eine poetische Umkehrung historischer Lichtverhältnisse:
Jetzt sind es die Frauen, die sichtbar werden und leuchten.
„Sie haben geschaffen, entdeckt, erfunden – und doch wurden ihre Namen oft aus der Geschichte getilgt, überstrahlt von den Männern.“
Das Triptychon macht das Unsichtbare sichtbar – und lädt dazu ein, Geschichte neu zu denken.
"Die Namen der Blumen"
Mischtechnik auf Papier, je 35 × 35 cm, © 2025 Christin Breuil























































